Konservierende Bodenbearbeitung:

 

Formen der Bodenbearbeitung:

Die heute verfügbaren Bodenbearbeitungsgeräte ermöglichen je nach Standort, pflanzenbaulichen und ökologischen Erfordernissen den Einsatz unterschiedlicher Verfahren der Bodenbearbeitung:

 

Konservierende Bodenbearbeitung

 

Allgemein umfasst die konservierende Bodenbearbeitung jedes Verfahren, das die Eingriffintensität in den Boden verringert. Bodenaggregate werden stabiler, der Gehalt an organischer Substanz und die Bodenfruchtbarkeit nehmen auf natürliche Art und Weise zu.

Ökologisch-ökonomisch ausgerichtete Ziele einer standortangepassten Bodenbearbeitung sind:

Ökonomische und ökologische Überlegungen

Ökonomisch gesehen führen sinkende Produktpreise verstärkt zu Überlegungen, Gewinneinbußen durch Reduzierung der Produktionskosten zu mindern.

 

Ökologisch sind die Ansprüche des Bodens verstärkt zu beachten, die Bodenbearbeitung ist je nach Standort bodenschonend auszurichten.

Umweltrelevante Aspekte:

 

Konventionelle Landwirtschaft weist konsistente negative Effekte auf Boden, Wasser- und Luftqualität, Biodiversität und Landschaft auf.

Erosionen und Verdichtungen sind weltweit auf rund 157 Mio. ha (3mal so groß wie Frankreich) feststellbar.

Systeme der konservierenden Bodenbearbeitung und bodennahe Einarbeitung von Stroh- und Ernterückständen tragen  zur Minderung der Bodenerosionen bei (>90 % bei Direktsaat, >60 % bei nichtwendender Bodenbearbeitung).

Durch 69 % geringeren Oberflächenabfluss (Runoff) kommt es zu einer Reduktion von ca. 70 % des Herbizid-, >85 % des Nitrat und >65 % des Phosphataustrages.

Auf leichten Böden nimmt die Infiltrationsrate durch Verschlämmungen weiter ab, sodass es vermehrt zu Oberflächenabfluss kommt. Die Niederschläge stehen daher zur Grundwasserneubildung nicht zur Verfügung.

Große Mengen von Düngemitteln, Pestiziden und Bewässerung helfen, die schädlichen Effekte der Bodendegradierung auszugleichen.

 

 

Wendende Bodenbearbeitung fördert den Humusabbau und produziert zusätzlich Kohlendioxid (CO2). In 20 – 30 Jahren hat die intensive Bodenbearbeitung zu Verlusten an Kohlenstoff (Humus) von häufig bis zu 50 % geführt. Demgegenüber lässt sich nachweisen, dass durch einen Wechsel von konventioneller zu konservierender Bodenbearbeitung der Gehalt an organischer Substanz im Boden zunimmt.

Pflanzenrückstände an der Bodenoberfläche vermindern die Wasserverdunstung und erhöhen das Wasserspeichervermögen.

Oberflächennahe Pflanzenrückstände helfen Agrochemikalien abzufangen und zu binden, bis sie von den Pflanzen aufgenommen werden oder zu harmlosen Komponenten abgebaut werden.

 

Durch Reduzierung des Sedimentaustrages wird die Oberflächenwasserqualität signifikant verbessert.

 

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Bodenwendung durch Pflügen eine der Hauptursachen der CO2-Emission von Ackerland ist. Diese Emissionen hängen mit dem Aufbrechen des Bodens und der daraus resultierenden Freisetzung durch erhöhte Mineralisierung organischer Substanzen zusammen. Je weniger bearbeitet wird, umso mehr organische Substanz reichert sich im Boden an und bindet Nährstoffe. Nach Cole, C.V.,1996, werden etwa 20 % des Treibhauseffektes mit landwirtschaftlichen Aktivitäten verbunden.

 

Konventionelle Bodenbearbeitung hinterlässt oft für längere Zeit einen unbedeckten Boden. Durch oberflächennahe Erwärmung flüchten Bodenlebewesen (Regenwürmer, Mikroorganismen) in kühlere Bereiche, sodass es zu einer Reduktion der Umsetzung organischer Substanzen kommen kann.

 

Wirtschaftliche Aspekte:

 

Für die konventionelle Bodenbearbeitung werden im Vergleich zur konservierenden Bodenbearbeitung höhere Inputs an Maschineninvestitionen, Instandhaltungen, Treibstoffen und Arbeitsbedarf erforderlich. Weniger Überfahrten führen zu Einsparungen bei Treibstoff, geringere Wertminderung der Maschinen und Reduktion der Instandhaltungskosten. Bei einem 200 ha Betrieb können durch Direktsaat Einsparungen bis zu 60 EUR je ha gegenüber der konventionellen Bodenbearbeitung angenommen werden. Jede Zwischenform der konservierenden Bodenbearbeitung bewegt sich je nach Bearbeitungsform innerhalb dieses Rahmens.

Betriebe, welche sich schon längere Zeit mit der konservierenden Bodenbearbeitung beschäftigen, bestätigen, dass keine Ertragseinbußen festgestellt werden können.

Es ist  bestätigt, dass bei konsequenter Umstellung von konventioneller auf konservierende Bodenbearbeitung in den ersten Jahren durch günstigere Keimbedingungen mit einem vermehrten Unkrautdruck gerechnet werden kann. Langjährige Versuche bestätigen allerdings, dass dieser Unkrautdruck ab dem 5. Wirtschaftsjahr deutlich unter den der konventionellen Bewirtschaftung abfällt.

 

 

Zusammenfassung:

 

Pionierländer in konservierender Bodenbearbeitung sind neben den USA noch Kanada, Brasilien und Argentinien. Obwohl in den letzten beiden Ländern die Landwirtschaft nicht aus staatlichen Mitteln gefördert wird, ist die konservierende Bodenbearbeitung von einigen tausend Hektar im Jahr 1992 auf insgesamt 19 Mio. Hektar im Jahr 1998 gestiegen, in Frankreich und Spanien auf insgesamt 1,6 Mio. Hektar. Auch in anderen europäischen Ländern gewinnt diese Technologie immer mehr an Akzeptanz.

Im EU-Dokument DGVI steht:

„Es ist ökonomisch sinnvoller, die natürliche Erhaltung von Anfang an in Betracht zu ziehen, als den Schaden reparieren zu müssen, nachdem er verursacht wurde, und dies ist nicht in jedem Fall möglich.“

„Umweltschutz und die Erhaltung der Natur schaffen zusätzliche Kosten und Arbeit für die Landwirte, aber in keinem anderen Bereich kann so viel für die Umwelt erreicht werden, für so wenig Einsatz. Wir dürfen nicht länger den Beitrag der Landwirte für Umweltschutzmaßnahmen für die Gesellschaft als selbstverständlich nehmen, sondern müssen sie dafür angemessen ausgleichen.“