Düngung mit Grundnährstoffen im Ackerbaubetrieb:

 

Bodenuntersuchung:

 

Eine regelmäßig durchgeführte Bodenuntersuchung (ca. alle 5 Jahre) hat sich als wichtigstes Verfahren zur Düngerbedarfsermittlung bewährt. Die Probenziehung ist an sich nicht sehr aufwendig, sollte jedoch, um einen repräsentativen Wert zu erhalten, nicht zu großflächig durchgeführt werden. Sollten nicht gravierende Bodenunterschiede vorliegen, können größere Feldstücke in Teilschläge von ca. 3 ha unterteilt werden. Je Probe geht man im Ackerland von 20 - 30, im Grünland von bis zu 40 Bohreinstichen aus, um ca. 500 g Erde an die Untersuchungsstelle liefern zu können.  

 

Standardbodenuntersuchung: Hier wird auf den Gehalt von Phosphor, Kalium und Calcium untersucht. Außerdem wird der pH-Wert festgestellt. Zusätzlich können noch andere Untersuchungen, z.B. Humusgehalt, Spurenelemente u. dgl. durchgeführt werden.  

 

EUF-Methode (Elektro-Ultra-Filtration): Diese Methode wird vorwiegend im Rahmen des Zuckerrübenbaues angewandt. Zum Unterschied zu den herkömmlichen Verfahren wird hier auch eine zweite Fraktion bestimmt, welche das Nachlieferungsverfahren des Bodens erfasst. Grundlage der Düngeempfehlung ist der durch die Folgefrucht wahrscheinliche Entzug sowie die gemessenen Nährstoff-Gehalte. Daher ist eine Übernahme einer Düngerempfehlung von Rüben nicht 1:1 auf andere Kulturen zu empfehlen.

 

Phosphor:  

Der Gesamtphosphorgehalt des Boden beträgt ca. 0,05 % bis 0,2 %, das sind ca. 1500 kg P bis 6.000 kg P/ha in der obersten  20-cm-Bodenschicht. Der Anteil von gelösten, d.h direkt pflanzenaufnehmbaren Phosphorformen ist jedoch sehr gering. Durch mikrobielle Tätigkeit wird der organisch gebundene Phosphor erst pflanzenverfügbar. Der jährliche Phosphorentzug durch Kulturpflanzen ist sehr unterschiedlich und liegt z.B. bei Zuckerrüben bei 40 kg je Hektar, bei Getreide ebenfalls zwischen 30 und 45 kg je Hektar. Eine Verfügbarkeit von nur rund 2 % des Gesamt-P-Anteiles im Boden würde demnach schon den gesamten Phosphorbedarf der Kulturpflanzen abdecken. Man kann aber davon ausgehen, dass auf organisch gut aufgeschlossenen Böden ein wesentlich höherer Prozentsatz P zur Verfügung gestellt wird.

Andererseits können als Mineraldünger zugeführte  Phosphate bis zur totalen Unverwertbarkeit gebunden werden, wenn die biologischen Rahmenbedingungen (Bodenleben, Sauerstoff) fehlen. Werden einem Boden mit geringem Anteil an organischer Masse Phosphatdünger zugeführt, wird dieser für die Pflanze unverfügbar gebunden. Nur 2 bis 10 % der zugeführten Düngermenge bleiben dann pflanzenverfügbar. pH-Erhöhungen durch Kalkung kann zu Übermineralisierungen und dadurch zu Phosphorauswaschungen führen. Daher sind unmotivierte Kalkungen zu unterlassen!

 

Kalium:  

Die gesamte Kalium-Reserve beträgt zwischen 0,2 und 3 %, das sind zwischen 6.000 bis 90.000 kg pro Hektar in der obersten 20-cm-Bodenschicht. Jedoch befindet sich  auch hier nur ein geringer Teil in der Bodenlösung.

Der jährliche Kalium-Entzug ist auch hier sehr unterschiedlich und liegt zwischen 70 und 200 kg je Hektar. Die Rückführung von Kali bei Einarbeitung von Pflanzenresten oder von anfallendem Stroh ist jedoch sehr beachtlich. Getreide  hat einen Kalibedarf zwischen  70 und 100 kg je ha, liefert aber bei Stroheinarbeitung wieder 40 bis 60 kg je ha zurück, sodass ein Nettoverbrauch von ca. 30 bis 40 kg Kali je ha angenommen werden kann. Der Nettoverbrauch bei Zuckerrüben beträgt ca. 130 kg je ha.

Mikroorganismen garantieren die Pflanzenverfügbarkeit der Kali-Reserve im Boden. Rund 450 kg je ha werden pflanzenverfügbar bereitgestellt, welche sukzessive von den Pflanzen aufgenommen werden. Dieser Zustand ist jedoch nur unter guten Humusbedingungen möglich.

 

Kalk: 

Kalk nimmt in der Düngung eine Sonderstellung ein, da Calcium kein wichtiger Pflanzennährstoff ist, sondern ein wichtigerer Garant für eine gesunde Bodenstruktur. Doch Vorsicht bei Überversorgung:  Wird auf stark kalkhältigem Boden (pH-Wert > 7,5) die Kalkzufuhr noch gesteigert, so wird die Kaliaufnahme gehemmt und es kann zu einer Kaliblockade kommen. Dadurch kommt es trotz genügendem Kaliangebot zu einer deutlichen Unterversorgung der Kulturpflanze (Kalifixierung).

 

Was bedeutet das für meinen Betrieb?

Vorerst sollte man einmal die Werte aus der Tabelle  genauer betrachten. Diese Angaben gehen von einer eher höheren Ertragserwartung (Weizen 6.000 kg/ha, Zuckerrüben 60.000 kg/ha, Raps, Sonnenblumen 3.500 kg/ha) aus.

 

  P2O5 K2O
Kultur Gesamtentzug Rückl. Ernterest Gesamtentzug Rückl. Ernterest
Weizen 65 10 70 60
Wintergerste, Roggen 65 10 90 60
Sommergerste, Hafer 65 10 90 50
Körnermais 90 20 210 120
Körnerraps 85 20 210 120
Sonnenblumen 70 20 210 150
Kartoffel 70 10 300 60
Zuckerrüben 100 45 300 180
Futterzwischenfrucht 25 0 80 0

Futterzwischenfrucht, wenn zur Gänze abgefahren, hat keine Rücklieferung

Zwischenfrüchte, welche zur Gänze eingearbeitet werden (Begrünungen) liefern den gesamten Bedarf an Grundnährstoffen wieder zurück

 

Bei Versorgungsstufe A und B werden Zuschläge, bei Versorgungsstufe D Abschläge empfohlen. Bei Versorgungsstufe E besteht kein Düngerbedarf. Anders als beim Stickstoff müssen die Grundnährstoffe nicht gezielt zur Kultur gedüngt werden. Liegen die Bodengehalte in Versorgungsstufe C (ausreichend), wird es genügen, wenn Nährstoffdefizite innerhalb einer Fruchtfolge ausgeglichen werden. Nicht nur aus arbeitstechnischer Sicht, sondern auch pflanzenbaulich wird es sinnvoll sein, den Schwerpunkt der Grunddüngung besonders auf die Blattfrüchte zu legen. Das Getreide nach Blattfrüchten (Zuckerrüben, Raps, Sonnenblumen u.dgl.) hat den niedrigsten Düngebedarf und kann aus der Nährstoffrückführung zehren.

Strohbergung: Wird auf einem Betrieb das anfallende Getreidestroh abgefahren, kann es lediglich nach Kulturen, wo die Erntereste am Feld verbleiben (Körnermais, Raps, Zuckerrüben u.dgl.) zu einer Rücklieferung von Phosphor und vor allem von Kali kommen.

Stroheinarbeitung: Anders ist die Situation beim Verbleib der Erntereste am Feld. Wie aus obiger Tabelle ersichtlich, hat Getreide einen Gesamtentzug von 65 kg P2O5 und liefert über das Stroh wieder 10 kg P2O5 zurück. Es entseht somit ein Nettoentzug von 55 kg P2O5. Hier wird man gegebenenfalls nach Zuckerrüben die Düngung unterlassen können, ansonsten entsteht jährlich ein Düngebedarf.

Bei Kali steht einem Entzug von 80 kg K2O eine Rücklieferung von 60 kg K2O gegenüber, sodass Netto nur 20 - 40 kg K2O entzogen werden. Wie aus der Tabelle zu erkennen ist, kann man aus der Rücklieferung von Zuckerrüben, Körnermais, Raps, Sonnenblumen u.dgl. einige Jahre Getreide mit Stroheinackerung durchführen, ohne dass es bei Kali zu einem Nährstoffdefizit kommt.

Ein weiteres Kapitel ist das Nährstoffentzugsverhältnis von Getreide. Bei Strohbergung ist das Verhältnis P:K noch 1:1,25 und kann über standardisierte Mehrnährstoffdünger abgedeckt werden. Bei Stroheinarbeitung entsteht ein Verhältnis P:K von 1:0,4 und kann, ohne Überdüngungen in Kauf nehmen zu müssen, nur mehr über Einzeldünger gedeckt werden.

Erkenntnisse für mich als Betriebsführer:

Es sollte für jeden Betriebsführer eine Selbstverständlichkeit sein, jährlich eine betriebsspezifische Düngerberechnung durchzuführen. Aus Erfahrung kann ich behaupten, dass in manchen Betrieben eine Reduzierung der Düngerkosten von bis zu 30 % möglich ist.

Bei der Überlegung zu einer sogenannten "Schaukeldüngung" sei darauf hingewiesen, dass diese sowohl aus pflanzenbaulichen, aber vor allem aus arbeitstechnischen Gründen interessant sein kann. Zu beachten ist allerdings, dass auch bei Phosphor und Kali die "Richtlinien für die sachgerechte Düngung" eingehalten werden müssen.

Entscheidungs- und Planungshilfen: Aufgrund der großen Anzahl zu berücksichtigender Faktoren, wie Berechnung der Vorfruchtwirkung, Zwischenfutteranbau, Nährstoffbedarf der anzubauenden Kultur, Bodenuntersuchungsergebnisse, Preiswürdigkeit der Handelsdünger, Verwendung von Wirtschaftsdüngern bietet sich hier der Einsatz eines EDV-Programms an. Zu berücksichtigen ist auch, dass ein gutes EDV-Programm auch einen Bilanzabgleich mit der Düngung des Vorjahres durchführen kann. Die am Betrieb vorhandenen Wirtschaftsdünger werden erfasst und nur der Restbedarf durch mineralische Düngemittel ausgeglichen. Die Berechnung der kostengünstigsten Düngervariante und die Überprüfung der Einhaltung aller Verordnungen und Richtlinien ist eine nicht zu verachtende Aufgabe jedes Planungssystems.