Fehler und Sünden in der Bodenbearbeitung:
„Der
Mut zu warten, ist die Kunst, Fehler zu vermeiden !“ Dieser bäuerliche Spruch
ist der wichtigste Erfahrungsgrundsatz für jede Bodenbearbeitung. Gemeint ist
damit die Vermeidung jeder Feldarbeit bei nassem Zustand des Ackers. Einer der
schwersten und unverzeihlichsten Fehler in der Landwirtschaft ist es, die Böden
im nassen Zustand zu bearbeiten. Eine einzige nasse Bodenbearbeitung kann langfristige
Aufbauarbeiten
des Bodens mit einem Schlag zunichte machen.
Grund und Boden - mein Besitz
Durch
die immer intensivere Bodenbearbeitung wurde im Ackerbau die obere,
durchwurzelbare Bodenschicht verändert. Dies führte zu einem gesteigerten
Humusabbau, sowie zu einer deutlichen Reduzierung der für die
Bodenfruchtbarkeit notwendigen Bodenlebewesen.
Wieso herrscht auf Grünlandböden ein reges Bodenleben? Unter der schützenden
Decke der Dauervegetation kann man ein Bodenleben von größter Vielfalt
feststellen. Der Rückschluss darauf muss sein, dass durch die Bodenbearbeitung
im Ackerbau ein mehr oder weniger störender Eingriff in das Bodengefüge
stattfindet. Daher sollte zur Aufrechterhaltung eines gesunden Lebensraumes
aller Bodenlebewesen der Boden so wenig als möglich und so schonend als möglich
bearbeitet werden. Zu häufige Bodenbearbeitung stört die Bodenruhe und zu
intensive Bodenzerkleinerung zerschlägt zum Teil das Bodengefüge.
Durch Intensivierung des
Bodenlebens werden sich immer ertragssteigernde Bodeneigenschaften einstellen.
Umgekehrt wird eine Störung oder Verarmung des Bodenlebens eine nachteilige
Wirkung auf die Ertragsfähigkeit und Erosionsfähigkeit des Bodens haben.
Verdichtungen, Verschlämmungen und Erosion werden immer auffälliger.
Bodenlebewesen:
Bodenlebewesen haben eine wichtige Funktion bei
der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Sie tragen wesentlich zur Verrottung der
Ernte- und Pflanzenreste bei. Sie mischen und lockern den Boden, fördern das
Pflanzenwachstum und die Ertragsfähigkeit des Bodens und helfen mit,
Pflanzenschutzmittel abzubauen.
Käfer und Würmer
Die
uns bekanntesten sichtbaren Bodenlebewesen sind die Regenwürmer. Auf guten tätigen
Böden kann die Regenwurmlosung
(Kot) bis zu 50 t je ha betragen. Dieser ist mikrobiell stark angereichert und
hat einen hohen Gehalt an pflanzenaufnehmbaren Nährstoffen
Mikroorganismen:
Darunter versteht man jene nicht
mehr mit freiem Auge sichtbaren Bodenlebewesen. Standort der Mikroorganismen ist
der feste Bodenbestandteil organischer Herkunft z.B. Wurzelhaare, kleinste
Humusbestandteile.
Die Veränderung des Bodengefüges
wird nicht nur an den bewirtschafteten Ackerflächen sichtbar, sondern die über
die Ackergrenzen hinaus verfrachteten Bodenmassen verursachen auch Schäden an
Oberflächengewässern und anderen Einrichtungen. Besonders in Hanglagen
und/oder bei nachfolgenden Reihenkulturen ist der Abschwemmung entgegenzuwirken.
Um diese Veränderungen auf ein
akzeptables Maß zu senken, sind Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Einem
sinnvollen Zwischenfruchtanbau mit einer Hand in Hand gehenden Bodenbearbeitung
kommt eine immer größere Bedeutung zu.
Was kann ich
dazu beitragen, dass keine schädlichen Veränderungen entstehen?
Ein wesentlicher Teil ist hier
der
sinnvolle Einsatz von Zwischenfrüchten und Begrünungen,
eine
vernünftige Bodenbearbeitung
Der sinnvollen Abwechslung von
humuszehrenden und humuserhaltenden Kulturen sollte wieder mehr Stellenwert
eingeräumt werden. Besonders bei Intensivfruchtfolgen mit Abtransport des
Aufwuchses (z.B. Silomais) sollte unbedingt auf eine Rückführung der
organischen Masse geachtet werden.
Ich will hier 2 Überlegungen in
der Bewirtschaftung näher betrachten:
Herbstbegrünungen
nach ökologischen Gesichtspunkten durchführen. Eine Durchführung der
Herbstbegrünung mit möglichst wenig Aufwand und möglichst hoher
Ausgleichszahlung ist zwar aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht bewertbar,
ob dies auch ökonomisch und ökologisch vertretbar ist, sollte auch
einmal hinterfragt werden.
konservierende
(reduzierte) Bodenbearbeitung
in
Form von Wechsel zwischen wendender und nichtwendender Bodenbearbeitung im
Rahmen der Fruchtfolge oder konsequentem Pflugverzicht
Bodenbedeckung und Erhaltung
eines gesunden Bodengefüges bilden die Basis für eine hohe Widerstandskraft
des Bodens gegen Erosion. Die bereits Mitte August bis September durchzuführende
Bodenbearbeitung für die Herbstbegrünung erfolgt meist unter trockeneren und
auch wärmeren Bedingungen. Weit verbreitet ist das Pflügen
vor dem Zwischenfruchtanbau.
Bodenbearbeitung und Fruchtfolgegestaltung haben eine Schlüsselrolle zur Erosionsminderung zu übernehmen. Die Fruchtfolgegestaltung und produktionstechnische Fortschritte zeigen einen deutlichen Trend zu spezialisierten Fruchtfolgen mit z.T. hohen Anteilen an Reihenkulturen (Mais, Zuckerrüben u.a.). Diese bedeuten jedoch erhebliche Erosionsrisiken in hängigen Ackerbaugebieten.
Die stärkste Verbreitung hat nach wie vor die
"konventionelle Bodenbearbeitung". Regelmäßiger Pflugeinsatz ist
zweifelsohne die oft einfachste Form, Erntereste und Pflanzenrückstände in die
obersten Bodenschichten einzubringen. Vor dem Einarbeiten sollte aber auf eine
vorherige Einmischung oder zumindest auf einen Verzicht der Düngereinleger
geachtet werden, um "Matratzenbildungen" zu vermeiden. Die wendende
Bodenbearbeitung bietet zwar den Vorteil einer "schönen" Oberfläche,
ist aber besonders auf mittelschweren und schweren Böden arbeitsaufwendig. Auf
leichten Sandböden ist ein regelmäßiger Pflugeinsatz vorteilhaft, um
Dichtlagerungen zu vermeiden.
Die
konservierende Bodenbearbeitung, die zumindest den Verzicht auf die jährliche
Bodenwendung bedeutet, zielt auf die Funktionsfähigkeit eines abgesetzten
Bodengefüges und geringere mechanische Störung des Bodenlebens. Auf Ackerböden mit gesunder Bodenstruktur kann die
Pflugbearbeitung durch Grubbern ersetzt werden. Auf Problemböden (hohe Ton- und
Lehmanteile) ist der Verzicht auf den Pflugeinsatz sowohl pflanzenbaulich, als
auch betriebswirtschaftlich überlegenswert. Pflugverzicht ist eher möglich,
umso schwerer und trockener der Boden ist.
Ein Rat aus meiner eigenen Erfahrung: Um die positiven Seiten einer konsequent durchzuführenden pfluglosen Bearbeitung auf Problemböden schneller und effizienter zu erreichen, ist das Brechen bestehender Pflugsohlen oder Verdichtungshorizonte mit einem Tiefengrubber oder Untergrundlockerer in den ersten Jahren der Umstellung vorteilhaft. Bearbeitungstiefen von mehr als 40 - 45 cm sind jedoch ein arbeitstechnischer und pflanzenbaulicher Unsinn. Sind Verdichtungshorizonte einmal wirksam gebrochen, ist eine weitere Tiefenlockerung nicht mehr jährlich, sondern nur mehr gelegentlich oder nach besonders ungünstigen Erntebedingungen notwendig.
Die konservierende
Bodenbearbeitung ist gekennzeichnet durch Bodenlockerung und oberflächennahe
Einmischung von Pflanzenresten. Besonders im Anbau von Winterungen findet dieses
Verfahren vermehrt Eingang. Bei guter Vorbereitung des Saatbeetes ist ein Anbau
mit herkömmlichen Schleppscharsämaschinen problemlos durchführbar.
Längerer Pflugverzicht ist
vorteilhaft bei
flachgründigen
Verwitterungsböden
erosionsgefährdeten
Hanglagen
kalkreichen
Lehm- und Tonböden mit einer intakten Luft- und Wasserführung, mit einer
tiefgründigen Bodenschicht und Schrumpfrissen in Trockenzeiten
zur
Verschlämmung neigenden Böden bei weniger als 500 mm Niederschlag
Bei hoher Erosionsanfälligkeit
bietet die konservierende (pfluglose) Bodenbearbeitung einen besseren Schutz, da
zusätzlich eine Schutzdecke aus Strohmulch oder Pflanzenresten sofort nach der
Bodenbearbeitung vorhanden ist.
Neben den sicherlich positiven oder zumindest gegenüber
der intensiven Bodenbearbeitung oft nicht negativen Aspekten ist vor allem die
arbeitstechnische Einsparung sehr beachtlich.
Krankheiten und Unkräuter:
Dass Krankheitserreger und Verunkrautung bei der konservierenden Bodenbearbeitung verstärkt auftreten, sei hier aber nicht verschwiegen.
Da auch die Unkrautsamen in der oberen Bodenschicht günstige Keimbedingungen vorfinden, wird man besonders in den ersten Jahren der Umstellung und/oder bei starkem Unkrautbefall der Vorfrucht mit stärkerer Verunkrautung rechnen müssen. Andererseits sollte man aber berücksichtigen, dass beim konventionellen Pflügen aufgrund der langen Lebensdauer von Unkrautsamen ein Auflaufen der Unkräuter oft nur auf Jahre hinausgezögert werden kann. Bei Einhaltung einer vernünftigen Fruchtfolge von unter 75 % Getreide-Maisanteil und eines gezielt durchgeführten Pflanzenschutzes konnte bei langjährigen Versuchen eher eine raschere Reduktion von Unkräutern beobachtet werden.
Jede Bodenbearbeitung, ob konventionell oder konservierend, sollte in Bezug auf pilzliche Krankheitserreger trachten, dass es zu einem schnellen Abbau der Pflanzenreste kommen kann. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die gute Zerkleinerung und Verteilung von Ernterückständen. Schlecht verrottete und durch den Pflug vergrabene Strohreste und Pflanzenreste können durch eine neuerliche Pflugfurche wieder an die Oberfläche gelangen und hier zu einer massiven Förderung des Pilzbefalles beitragen.
Schlussfolgerung:
Eine Harmonie aus vernünftiger Fruchtfolge, sinnvoller Rückführung organischer Substanzen und eine gefühlvolle, wirtschaftlich überlegte Bodenbearbeitung können die Aufrechterhaltung eines gesunden Bodengefüges positiv beeinflussen.