Begrünungen im Trockengebiet
Warum ist im Grünland unter der schützenden Grasnarbe eine vielfältige und gesunde Bodenstruktur vorhanden?
Humus ist die Nahrung der Bodenlebewesen. Durch die immer intensivere Bodenbearbeitung wurde im Ackerbau die obere, durchwurzelbare Bodenschicht verändert. Dies führte zu einem gesteigerten Humusabbau, sowie zu einer deutlichen Reduzierung der für die Bodenfruchtbarkeit notwendigen Bodenlebewesen.

Vielfach wird leider noch immer der Wert einer ausgebildeten Wurzelentwicklung von Begrünungspflanzen für die positive Entwicklung des Bodengefüges missachtet. Eine Herbstbegrünung wird nur dann zur Erhaltung oder Verbesserung der Bodenstruktur beitragen, wenn die Durchwurzelung des Bodens gefördert wird. Als ökologischer und pflanzenbaulicher Unsinn ist jene Meinung zu bewerten, wonach man den Zeitpunkt des Begrünungsanbaues so wählt, dass sich der Aufwuchs nur so entwickeln kann, dass nur die Begrünungsrichtlinie erfüllt wird. Ein Bewirtschafter, der diese Ansicht vertritt, ist ein Gegner seines eigenen Grund und Bodens.
Begrünungskulturen im Trockengebiet:
Es kann oft festgestellt werden, dass nach Herbstbegrünungen und anschließendem trockenen Frühjahr besonders auf leichten Böden Ertragseinbußen feststellbar sind. Abfrostende Kulturen mit anschließender Mulch- oder Direktsaat sind hier besonders betroffen. Daher sollte im trockenen pannonischen Klimagebiet größtes Augenmerk auf die Auswahl der Begrünungsmischungen gelegt werden.
Welche Begrünungskulturen eignen sich sehr gut für das Trockengebiet?
o Phacelia:
o Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Phaceliabegrünung die für das Bodengefüge ideale Durchwurzelung darstellt. Die Phacelia hat ein ausgeprägtes Wurzelsystem mit tiefreichenden Haarwurzeln und ist nach dem Abfrosten im Frühjahr problemlos unterzumischen.
o Platterbse:
o Intensive Durchwurzelung, nährstoffreiche, schnell verrottende Pflanzenreste, bei ausreichender Bestandesentwicklung als Stickstoffsammler bedeutend
o Buchweizen:
o Buchweizen ist kein Getreide, gehört botanisch zur Familie der Knöterichgewächse, hat eine rasche Jugendentwicklung und führt zu schneller Bodenbedeckung, gutes Mineralstoffaneignungsvermögen, geringe Ansprüche an Boden, sehr frostempfindlich
o Sommerwicke:
o Rasche Bestandesentwicklung, Leguminose, bindet bei ausreichender Bestandesentwicklung über Knöllchenbakterien den Luftstickstoff, im Trockengebiet nur in Begrünungsmischungen interessant
o Senf:
Körnererbsen sind als Begrünungskultur deswegen problematisch, da diese sehr anfällig auf die Vermehrung von Pilzkrankheiten sind.
Praktische Tipps zur Anlage von Herbstbegrünungen:
Bei der Anlage der Herbstbegrünung sollte die Aussaat nicht stiefmütterlich behandelt werden. Gleichmäßige Aussaat mit seichtem Einarbeiten gewährleistet meist einen guten Aufgang.
Bei kleinkörnigen und geringen Saatmengen (Senf, Phacelia und/oder Kleemischungen) kann man bei der Aussaat 40 – 45 kg/ha Harnstoff dazumischen. Dies erleichtert nicht nur die Dosierung der Saatmenge, sondern enthält den für die Anlage von Zwischenfrüchten notwendigen Stickstoff in der Höhe von 20 kg N/ha.
Bei einer Senf-Phacelia-Mischung genügt der Senfanteil von 2 – 2,5 kg/ha, Phacelia bringt bei einer Saatmenge von 5 – 7 kg/ha bereits eine mehr als ausreichende Begrünung.
Termin:
Um pflanzenbaulich eine sinnvolle Begrünung mit ausreichender Wurzelausbildung zu erreichen, sollte im Trockengebiet eine Aussaat bis Ende August erfolgen. Dies ermöglicht dann auch die Teilnahme an der Begrünungsvariante D.
Wird im Trockengebiet eine Begrünungsmischung mit Senf verwendet, ist unbedingt auf dessen hohen Wasserverbrauch ab der Blüte zu achten.

Ein Einkürzen bereits ab einer Aufwuchshöhe von ca. 25 bis 30 cm wird dringend angeraten und bringt folgende Vorteile:
Begrünungsvarianten:
o Variante A: (Aussaat bis spätestens 20. August, Umbruch ab 15. November)
o Meist wird bei dieser Variante eine Aussaat in Reinkultur gewählt. Der Umbruch ab Mitte November ermöglicht noch einen eventuellen Anbau von Winterungen. Wird sehr oft als „bequeme“ Variante gewählt und meist eingepflügt und trägt somit nichts zur Verbesserung der Wind- oder Wassererosionen bei.
o Variante B: (Aussaat bis spätestens 30. September, Umbruch ab 15. Februar)
o Diese Variante wird oft nach späträumenden Kulturen (Mais, Sonnenblumen) gewählt. Sollte die Wahl des späten Aussaattermines nur deswegen gewählt werden, damit sich der Aufwuchs nur soweit entwickeln kann, dass die Begrünungsrichtlinie erfüllt wird, dann ist dies aus pflanzenbaulicher Hinsicht abzulehnen.
o Variante C: (Aussaat winterharter Begrünungen bis 15. Oktober, Umbruch ab 1. März)
o Wird wie die Variante B meist nach späträumenden Kulturen und sehr oft bei Weiterführung der Kultur als Grünbrache oder Feldfutter angelegt.
o Variante D: (Aussaat bis 31. August, Umbruch ab 15. Februar, mindestens 2 Mischungspartner)
o Diese Begrünungen sind aus pflanzenbaulicher Sicht und der daraus resultierenden Verbesserung der Bodenstruktur interessant. Es sei aber auch erwähnt, dass sowohl aus der Sicht der Bestandesführung als auch aus der Sicht der Bodenbearbeitung einige Erfahrung notwendig sein kann. Da diese Begrünungsvariante die ökologisch Wirksamste ist, wird berechtigterweise auch eine höhere Prämie gewährt.
Bodenbearbeitung:
Begrünungen sollten nicht eingepflügt werden, weil dadurch anaerobe Vorgänge im Boden angeheizt werden. Die Grünmasse darf nicht einsiliert werden, sondern lediglich eingemischt. Ist man der Ansicht, dass man auf den Pflug nicht verzichten will, dann wird jedenfalls vom Einsatz von Düngereinlegern abgeraten.
Gleichmäßiges Einarbeiten von Ernterückständen und Begrünungen fördert die Humusbildung und verbessert dadurch den Lebensraum der Bodenlebewesen, welche das ihre dazu beitragen, dass die im Boden befindlichen Nährstoffe pflanzenverfügbar freigesetzt werden.
Mulch- und/oder Direktsaat sind ein sehr wirksames Mittel zu Verbesserung der Bodenstruktur und tragen wesentlich zur Verhinderung von Wind- und Wassererosionen bei.
Schlussfolgerung:
Erfahrung, positive Einstellung zu seinem Grund und Boden und die Erkenntnis, dass man durch vernünftige und bedachte Überlegungen auch mit Begrünungen eine nicht unbedeutende Verbesserung des Bodengefüges herbeiführen kann, sollten jeden Betriebsführer veranlassen, das Thema Begrünungen wieder einmal zu überdenken.
Stellungnahme des Landwirtes Josef Perger, Bruck/Leitha:
Josef Perger baut Ende August eine Mischung von 10 kg/ha Sommerwicke und 100 kg/ha Platterbse als Begrünungsmischung an.
Die Wicken-Platterbsen-Mischung entwickelt eine gute Durchwurzelung und ist aufgrund des geringen Wasserverbrauches für das Trockengebiet gut geeignet. Diese Begrünungsmischung ist mit keinen anderen Kulturpflanzen seines Betriebes artverwandt und trägt wesentlich zur Bodengesundung bei. Eine Mulchsaat im Frühjahr ist bedenkenlos und problemlos durchführbar, da die Pflanzen sicher abfrosten und über den Winter bereits großteils verrotten.
Der Wert der Begrünung liegt auch in der Tatsache, dass diese Kulturen zu den Stickstoffsammlern zählen, was bei den Nachfolgekulturen in höheren Erträgen bzw. in geringerem Handelsdüngerbedarf sichtbar wird.